Institut fächerübergreifenden Studierens und Forschens e.V.
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Ein japanischer Don Quichote auf Deutschlandtour
Texte zu Landwirtschaft, Selbstversorgung und Regionalisierung
Richard Pestemer
Schriftenreihe interdisziplinäre Studien, Skript 10, Trier 1998
Hrsg.: Johannes Glembek, Wolf-Dietrich Hutter, Tim Lubecki, Jost Wagner
ISBN 3-930644-17-7, ISSN 0949-8451, 48 Seiten, 7 DM

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Im Skript "Ein japanischer Don Quichote auf Deutschlandtour" sind mehrere Vorträge von Akemine Tetsuo zusammen gefaßt, die er auf seiner Vortragsreise 1997 gehalten hat.
"Das Experiment der Vereinigung der "wilden YABO-Farmer" von Hino", "Sich in der Metropole Tokio selber versorgen", "Die verschiedenen in Japan üblichen Definitionen des Begriffes 'Selbstversorgung' " und "Selbstversorgung als Ueberlebensstrategie" sind die Titel der Vorträge, die sich mit Landwirtschaft, Selbstversorgung und Regionalisierung befassen

Inhalt:
  • Ein japanischer Don Quichote auf Deutschlandtour (Einleitung von Richard Pestemer
  • Das Experiment der Vereinigung der "wilden YABO-Farmer" von Hino
  • Sich in der Metropole Tokio selber versorgen
  • Die verschiedenen in Japan üblichen Definitionen des Begriffes "Selbstversorgung"
  • Selbstversorgung als Überlebensstrategie
  • Verstreute Reisenotizen
Ein japanischer Don Quichote auf Deutschlandtour
Von Richard Pestemer

Es ist unbestreitbar, daß Japan eine wirtschaftliche Großmacht ersten Ranges ist. Es ist zwar nicht mehr die Nr. 1, wie noch vor wenigen Jahren in den japanischen Medien und den herrschenden Kreisen im Land der aufgehenden Sonne beschworen, aber immerhin noch die Nr. 2 nach den USA. Inzwischen sind Berge von unterschiedlichsten Publikationen aufgehäuft worden, um das Phänomen des wirtschaftlichen Aufstiegs von Nippon, dem "fernöstlichen" Inselreich zu enträtseln. Vorzugsthema: "Warum ist Japan so geworden, wie es ist?" Und jetzt, wo fast alle Facetten dieses japanischen Phänomens kritisch durchleuchtet worden sind, müssen sich die meisten der Autoren und Autorinnen, deren Profession die Entzauberung des japanischen Phänomens ist, eingestehen, daß sie meist die Graswurzelbewegungen, die den nachholenden industriellen Entwicklungsweg Japans zu einer der global führenden Wirtschaftsgroßmacht fundamental in Frage stellen, übersehen haben oder als politisch und gesellschaftlich weitgehend unbedeutend abgetan haben. Dennoch verstehen sich diese Graswurzelbewegungen im Schatten des japanischen Wachstumsmodells als eine Überlebensalternative zum globalen selbstmörderischen Crashkurs und somit selbstredend als Teil einer globalen Öko-Bewegung, die sich dem Ideal des "small is beautiful" auf japanische Art und Weise verpflichtet weiß. AKEMINE Tetsuo ist langjähriger Aktivist einer lokalen "Selbstversorgungsgemeinschaft" (Wilde YABO-FarmerInnen) in HINO, einer Vorstadt in Tokio. Seine praktischen Aktivitäten und seine Vorträge sowie seine zahlreichen Publikationen zielen darauf ab, aufzuzeigen, daß der ungebrochene Wachstumskurs des japanischen Industriekapitalismus die natürlichen Lebensgrundlagen, sowie die selbstversorgerischen Fähigkeiten der japanischen Landwirtschaft hemmungslos zerstört hat und weiter zerstören wird. Akemine ist überzeugt, daß sowohl Japan als auch Deutschland und die anderen wachstumsorientierten Industrienationen die von ihnen produzierten sozialen und ökologischen Probleme nicht lösen werden können und auch nicht wollen. Akemine sieht dagegen die Hinwendung zu einer "autonomen Selbstversorgung" innerhalb "lokaler, bzw. regionaler Kreisläufe" als einen praktischen Ausweg aus der Wachstums- und Konsumfalle. Aber er ist nicht bloß ein Mahner, sondern auch jemand der kleine praktische Wege aus diesem Dilemma aufzeigt und vorlebt. Vielen Menschen mag Akemine daher angesichts des weit verbreiteten irrealen Wunderglaubens des Neo-Liberalismus, der die "selbstregulieren Heilkräfte" der nunmehr global entgrenzten Marktkräfte "alternativlos anpreist", als ein japanischer DON QUICHOTE erscheinen, der vergeblich gegen die Windmühlen des industriellen Wachstumsfortschritts ankämpft. Was wir Deutschen von diesem japanischen Don Quichote vielleicht lernen können, das hat er auf seiner Studien-und Vortragsreise vom 10. bis 26. März 1997 in Ahaus, Köln, Berlin Leipzig, Augsburg, Trier und Reinsfeld in Vorträgen, Diskussionen und Gesprächen umfassend dargestellt und versucht zu vermitteln. Vor gut über zehn Jahren leitartikelte einmal der SPIEGEL provokant: "Von Japan lernen - Nein Danke!" Gemeint war natürlich "Lernen vom japanischen Wachstumsmodell". Auf seiner Deutschlandtour 1997 gelang es Akemine indes seine deutschen ZuhörerInnen davon zu überzeugen, daß die Einstellung "Von Japan lernen- Ja Bitte" durchaus sinnvoll sein kann. Es kommt halt darauf an, was mensch von einander lernen will. In der vorliegenden Publikation sind alle Vorträge, die er während seiner Deutschlandtour gehalten hat, aber auch seine sehr persönlichen Eindrucke in deutschsprachiger Übersetzung zusammengefaßt worden. Akemine möchte die vorliegende schriftliche Niederlegung seiner Vorträge als ein "Danke Schön" an alle UnterstützerInnen verstanden wissen, die ihn während seiner Deutschlandtour im März 1997 tatkräftig und mit großer Herzlichkeit unterstützt haben. Für die verspätete Herausgabe dieses "Danke Schöns" bekennt sich einzig und allein der Übersetzer für "schuldig", der um Verständnis dafür bittet, daß es für ihn noch immer keine leichte Übung ist, japanische Texte in ein angemessenes Deutsch zu übertragen.