Institut fächerübergreifenden Studierens und Forschens e.V.
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Burma: Der Kampf um das Werden einer Nation

S'Aung Lwin
in: Einblicke nach Südostasien, Johannes Glembek (Hrsg.), Trier 1995


Einleitung

Durch die Geldentwertung des Papiergelds im September 1987, der weder eine Rückvergütung noch Ausgleichszahlungen folgten, wurde eine landesweite demokratische Bewegung ausgelöst, welche der Oligarchie der Burmesischen Sozialistischen Programmpartei (BSPP) ein Ende setzen sollte. Von da an hat die Bewegung ununterbrochen gegen den Griff der eisernen Faust angefochten, mit dem Ne Win seit dem 2. März 1962 das Land in seiner Gewalt hielt.
Nachdem Maung Phone Maw, ein Student des Ranguner Instituts für Technologie, vom Überfallkommando der Polizei erschossen worden war, breiteten sich die Studentendemonstrationen rasch auf andere Institute und Universitäten aus.
Am 15. März 1988 trafen sich Studenten der Ranguner Universität und des Ranguner Instituts für Technologie auf der Straße neben dem Inya-See, wo ein hoher Deich das Wasser von der tiefer liegenden Stadt zurückhält. Die Lieder der friedlichen Studenten waren in der Hitze des Tages auch in dem nahegelegenen Stadtviertel zu hören. Doch ihr Demonstrationszug wurde gestoppt; plötzlich standen sie Militärlastwagen gegenüber, auf denen die gefürchteten Überfallkommandos der Polizei transportiert wurden. Als sie versuchten zurückzuweichen, fanden sie ihren Weg ebenfalls von Polizeieinheiten abgeschnitten. Ohne Warnung Iuden die Polizeikommandos ihre Gewehre, schossen wahllos in die Menge, schlugen Studenten mit ihren Bambusknüppeln zu Boden und ertränkten diejenigen, die um zu entkommen in den Inya-See gesprungen waren. An diesem Tag starben Hunderte nahe entlang des Deiches und Hunderte wurden abgeführt, wobei verschiedener Berichte zufolge zahlreiche von ihnen in den Polizeilastwagen erstickten und viele Studentinnen vergewaltigt worden sind.
Die Menschen in Rangun waren durch diese Vorfälle erzürnt worden und schlossen sich den Studenten an. Am 8. August 1988 wurde ein landesweiter Streik ausgerufen, woraufhin sich das gesamte Land auf die Straßen zu begeben schien und die BSPP, die das Land 26 Jahre lang regiert hatte, zum Rücktritt aufforderte und demokratische Wahlen verlangte, um Burma wieder auf den Weg zur Demokratie zu führen. Am 18. September unternahmen Teile des Militärs einen scheinbaren Putsch gegen ihre eigenen Reihen, rief das Kriegsrecht aus und nahmen alle greifbaren Anführer der Demonstrationen fest, richteten viele von ihnen hin und nahmen den Rest gefangen. Es wird angenommen, daß während diesen unruhigen Tagen mindestens 8000 Menschen - viele von ihnen Gymnasiasten und Hochschulstudenten - getötet worden sind.
Um der Ermordung oder der Gefangenschaft zu entgehen, flüchteten Tausende von Studenten, Lehrern, Bauern und Arbeitern in die Dschungelgebiete nahe der burmesischen Grenze, wo sie von den dort lebenden ethnischen Minderheiten aufgenommen wurden. Hier leben sie auch gegenwärtig noch immer und suchen Wege ihren Kampf für Veränderungen in Burma fortzusetzen.